Hannover-Portrait

Ausgerechnet Harald Schmidt, nicht gerade als Fan von Hannover bekannt, hat einst über unsere Heimatstadt gesagt: »Die ganze Welt wird immer doofer, doch richtig toll ist nur Hannover«. Und er hat Recht. Hannover ist als Niedersächsische Landeshauptstadt wirtschaftlicher sowie kultureller Mittelpunkt des Landes. Die Stadt mit ihren 206 Quadratkilometern Fläche hat ca. 520.000 Einwohner, im Großraum Hannover sind es über 1,1 Millionen Einwohner. Zu Unrecht wird die Stadt immer noch gerne als »provinziell« angeschwärzt – dabei hat unsere Stadt eine Menge Überraschendes zu bieten.

Hannover ist ein Industrie- und Wirtschaftszentrum, Schnittpunkt wichtiger europäischer Verkehrslinien (etwa ICE Köln–Berlin) und hat einen internationalen Flughafen (Langenhagen). Herausragende hannoversche Institutionen sind etwa die Universität, Tierärztliche Hochschule, Medizinische Hochschule, Staatliche Hochschule für Musik und Theater sowie diverse Fachhochschulen. Außerdem befindet sich hier das Zentrum der deutschen Geowissenschaften (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, unser Arbeitgeber), der größten Reiseveranstalters Europas (TUI) sowie der weltbekannte Messeplatz, der die Stadt zum bevorzugten Kongress- und Tagungsort macht. Weitere Merkmale und Produkte mit Weltruf sind etwa das Zweigwerk des Volkswagenwerks, Varta, Continental, Komatsu Hanomag AG (Baumaschinen), Pelikan-Werke, Geha (Bürobedarf), Bahlsen und Sprengel (Backwaren und Schokoladen).

Zuletzt war die Stadt vom 1. Juni bis 31. Oktober 2000 Gastgeber der ersten deutschen Weltausstellung EXPO 2000. Durch die 1947 gegründete Deutsche Industrie-Messe hat Hannover als Messestadt internationale Bedeutung. Heute finden unter dem Namen Hannover-Messe sowie der daraus entwickelten Computermesse CeBit die größten Veranstaltungen dieser Art auf dem größten Messegelände (Gesamtgröße 1 Mio. qm, 27 Hallen mit 497.700 qm Fläche) der Welt statt.

Hannover besitzt ein Opernhaus, ein Schauspielhaus (Sitz des Niedersächsischen Staatstheaters) sowie weitere Theater. Die wichtigsten Museen umfassen das Niedersächsische Landesmuseum, das Sprengel-Museum mit einer modernen Kunstsammlung, das Kestner-Museum, in dem eine ausgewählte Sammlung altägyptischer Ausstellungsstücke zu besichtigen ist, und das Wilhelm-Busch-Museum mit einer Dauerausstellung über Leben und Werk Buschs. Östlich der Innenstadt befinden sich der Zoologische Garten und die Stadthalle.

Mittelpunkt der Altstadt ist der Marktplatz mit dem Alten Rathaus (1439–1455) und der Marktkirche, die im 14. Jahrhundert aus Backsteinen erbaut wurde. Hannover wurde erstmals 1150 als Marktsiedlung Honnovere am Leineübergang der Handelsstraße Hildesheim–Bremen erwähnt. Die Stadt erhielt 1241 offiziell die Stadtrechte und wurde im späten 14. Jahrhundert Mitglied der Hanse. Nachdem Hannover 1495 unter die Herrschaft der Calenberger gekommen war, verlegte Herzog Georg von Calenberg 1636 seine Residenz nach Hannover. 1714 wurde Kurfürst Georg Ludwig von Hannover als Georg I. zum König von England gekrönt.

Die Personalunion zwischen England und dem Kurfürstentum Hannover, das 1815 auf dem Wiener Kongress zum Königreich erhoben wurde, endete 1837 mit dem Tode Wilhelm IV. Ernst-August nahm als erster der hannoverschen Könige seine Residenz in der Stadt. 1866 wurde Hannover Provinzhauptstadt. Dank seiner idealen Verkehrslage wuchs Hannover rasch zu einer Großstadt heran und entwickelte eine rege Industrietätigkeit. Die Einwohnerzahl stieg allein zwischen 1873 und 1900 von 100.000 auf 300.000. Nach dem zweiten Weltkrieg, bei der weite Teile der Innenstadt zerstört wurden, entstand Hannover als Landeshauptstadt des Bundeslandes Niedersachsen neu: wegen seiner beispielhaften Verkehrsplanung und seines vorbildlichen Wiederaufbaues findet die Stadt auch heute noch viel Anerkennung. Mit der Planung des U-Bahnnetzes Mitte der 1960er Jahre wurde gleichzeitig ein richtungweisendes Konzept für die Neugestaltung der City erarbeitet. Rund um den Treffpunkt Kröpcke-Uhr erstreckt sich eine der größsten Fußgängerzonen Deutschlands mit lebhaften Cafes, Restaurants, Bars, Straßenkunst und -musik, Kino, Kultur und Theater. Auch die Altstadt lädt zum Bummeln ein zwischen schönen alten und liebevoll restaurierten Bürgerhäusern mit Boutiquen und Straßencafés.

In der Freizeit treiben es die Hannoveraner gerne bunt: zum Beispiel beim Maschseefest oder nebenan beim Schützenfest im Juni/Juli, von dem es auf der ganzen Welt kein größeres gibt. Auch das Altstadtfest als größtes Straßenfest Europas lockt mit viel Kleinkunst, Straßentheater, Jazz- und Rockmusik. Aber selbst wenn am Maschsee gerade nicht gefeiert wird, lässt sich um oder auf dem 78 Hektar großen künstlichen See (1934–1936) in der Südstadt gut segeln, baden, rudern oder joggen. Ein Rundgang durch den Zoo oder durch die Herrenhäuser Gärten bietet ebenfalls Erholung.

Wer heute in der ehemaligen Sommerresidenz des Hannoveraner Könighauses in Herrenhausen »lustwandelt«, kann sich dem Charme und dem Glanz vergangener Zeiten kaum entziehen. Der große Garten ist die einzige nahezu unveränderte Gartenanlage frühbarocken Stils. Die Große Fontäne ist mit 82 m die höchste des europäischen Festlandes. Hannover wird nicht nur wegen der Gärten auch als »Stadt im Grünen« bezeichnet. Europas größter Stadtwald, die Eilenriede, (größer noch als der Pariser Bois de Bologne oder der Londoner Hyde Park) umschlingt die Stadt im Osten und dringt mit seinen Ausläufern bis in die Innenstadt und die Südstadt vor.

Sehenswert ist auch das imposante Neue Rathaus. Die Kuppel misst bis zur vergoldeten Spitze 97 m. Im Inneren veranschaulichen Stadtmodelle die Entwicklung Hannovers in vier Phasen: 1689, 1939, nach der Zerstörung 1945 und heute. Ein Schrägaufzug (eine deutschlandweit einzigartige technische Rarität) führt zum Turm hinauf. Von hier bietet sich dem Besucher eine prachtvolle Aussicht über Hannover. Der Rote Faden schließlich ist eine ganz andere Art von Gästeführer. Auf einer Länge von 4200 m ist ein roter Strich auf dem Straßenpflaster gemalt, der zu 36 Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt führt. Zu diesem Stadtrundgang auf eigene Faust gibt es eine informative Begleitbroschüre, in der sämtliche Bauwerke, sowie historische Hintergründe erklärt werden. Die Broschüre ist bei der Stadtinformation am Bahnhof erhältlich.

Abgerundet wird das Bild Hannovers durch die reizvolle Umgebung. Der Harz, die Lüneburger Heide, das Steinhuder Meer und das Weserbergland sind in kurzer Zeit von Hannover aus zu erreichen.

Lesen Sie mehr über Hannovers Geschichten, Fakten, Rekorde und Menschen in einem faszinierendem und höchst unterhaltsamen Buch:

Goetz Buchholz:
Hannover. Geschichten und Geschichte
Landbuch-Verlag, Hannover 2000
160 Seiten, 60 Abbildungen
20,00 EUR
ISBN-13: 978-3784205915

Udo Iwannek (Autor), Karl Johaentges (Fotograf)
Hannover ist die schönste Stadt der Welt
Hinstorff-Verlag, Rostock 2005
204 Seiten, 450 Farbfotos
ISBN-13: 978-3925544293