Besuch bei der »Ultimativen Chartshow«

23.02.2011 · Kommentare 3

Chartshow-Trailer

Trailer Ultimative Chartshow
Hier können Sie sich den Trailer zur Ultimativen Chartshow ansehen.

Logo Ultimative ChartshowAm 22. Februar fand in den Nobeo-Studios in Köln-Hürth die Aufzeichnung der ersten von sechs neuen Folgen der »Ultimativen Chartshow« statt. Der Jean Michel Jarre-Fanclub www.jarrelook.de verbreitete die Nachricht, dass sich die erste Sendung um Synthiepop drehen würde und Jarre, OMD, The Human League, Alphaville und Polarkreis 18 live ins Studio kommen würden. Das ist was für mich! – also schnell Karten für lächerliche 10 EUR gebunkert und nach Köln gefahren. Meine zweite Karte teile ich mit Jens H. aus dem Erasure-Clan, ebenso ein Musik-verrückter Journalist.

Andrea Sawatzki in den Nobeo-StudiosWir treffen uns bei den Nobeo-Studios in Hürth-Efferen und plaudern ein wenig. Aus einer Halle dröhnt auf einmal »Oxy­gene 4« zweimal zum Soundcheck – Jarre ist also doch auch da, wie gut. Als ich wieder zum Parkplatz zurück gehe, um zu sehen, ob der Jarre-Clan schon da ist, fährt plötzlich ein Mercedes vor. In fünf Metern von mir steigt die schönste und charmanteste Frau des deutschen Fernsehens aus und ich falle aus allen Wolken: Andrea Sawatzki wird von Mitarbeitern begrüßt. Ehe ich überhaupt einen klaren Gedanken fassen kann, was ein Fan nun Vernünftiges tun könnte, ist Andrea nur eine Minute später am Catering-Wagen und hat einen Teller in der Hand. Das Dümmste, was ich machen könnte: Promis beim Essen anquatschen. Ich reguliere also meinen Herz­schritt­macher von 250 BPM wieder herunter und schaue, wie es weitergeht. Whoah… Ist aber schon schade, ein gemeinsames Foto mit Andrea und ich hätte als glücklicher Mensch sterben können…  Und vorhin gerade habe ich Roxette aus einem Bus klettern sehen, auch nur zwei Meter von mir entfernt. »Welcome back to Germany« jubelt eine Mitarbeiterin und umarmt Marie Fredriksson, die sich etwas wackelig aus dem Bus schält. Per Gessle sieht müde und ungeschminkt sehr faltig aus. Ist schon alles aufregend. Was machen die denn hier?

Jarre-Fans in den Nobeo-StudiosNa gut, gehen wir also alle mal ins Foyer und holen Karten. Während sich der Vorraum nur langsam füllt, unterhält sich der Fanclub über vergangene Konzerte und über die Einlass-Taktik. Wir haben auf unseren Karten ein »B«, Matthias und Thomas ein »R« und andere wiederum ein »A«… Und da steht es: die Einlass­reihen­folge ist »A«, »B«, »F« (für was steht das, »Face­book«? »Fußball­fans«?, wir rätseln). Gleich zu Anfang staut sich das Publikum, es geht alles quälend langsam. »R« sind Redaktions­gäste und werden gleich in den Block hinter dem Musik­experten gesetzt. Nach den »A«-Gästen (die unglücklich weit links in der Ecke sitzen) platziert man den Rest von uns als »amputierter Fanclub« in einer oberen Reihe leicht links. Ob man uns dann aber auch im TV sehen wird? Abwarten. Zumindest Matthias und Thomas sitzen kamera-prominent. Die Handies müssen ausgeschaltet werden und Kameras sind ohnehin nicht erlaubt (deswegen kommen jetzt auch keine Bilder mehr).

Einheizer Marco mit langen Haaren macht das Publikum locker und gibt während der Sendung immer mal wieder Klatscher vor. Das Publikum, im Branchenjargon »Klatschvieh« genannt, eifert ihm tapfer nach und johlt auch für Gäste, die eigentlich gar nicht da sind, weil sie erst ein paar Tage später aufgezeichnet werden (Faithless). Aber ansonsten fällt es einem auch nicht schwer, viel zu applaudieren, wenn man sich vor Augen führt, wer alles da ist.

Na ja, Sarah Knappik zählen wir mal nicht als Promi, nicht jeder, der im Dschungel mal seine Rübe in die Kamera gehalten hat, ist automatisch prominent. Scheint aber so zumindest bei RTL zu sein, also rauf aufs Sofa zu Moderator Oliver Geißen. Eva Habermann und das Duo Mundstuhl komplettieren die Runde. Los geht’s, alles klatscht, auch wenn durch den leisen Mikro-Ton mancher Satz von Geißen im Applaus verschwindet. Hauptsache, Marco wirbelt mit den Armen und wir lassen die Sau raus. Es werden die Plätz 35 bis 1 vorgestellt.

Hmm, na ja, gleich auf Platz 34 kommt Jean Michel Jarre, der live »Oxygene 4« spielt. Wir flippen unisono aus, halten die Jarrelook-Logozettel dekorativ in die Kamera und Jarre macht wie immer den fröhlichen Tanzbären, der das Publikum zu noch mehr Mitklatschen auffordert. Danach sitzt er auf dem Sofa, umrahmt von Großfotos seiner Konzerte in Gizeh und Paris. Auf Französisch gibt er seine Ansichten zur Elektronikmusik und zu den Konzerten wieder und darf mit viel Applaus danach abtreten.

In den Einspielfilmen befasst sich die Sendung erfreulich viel auch mit Vince Clarke, Yazoo und Erasure, es werden viele Fakten genannt und Videos gezeigt. Leider lässt so mancher Einspiel-Promi dann auch einige Schwulen-feindliche Kommentare los (»Listen wir hier jetzt die Playlist vom Christopher Street Day?«, so ähnlich wird über die Chart­platzierung gemosert). Na ja, wir sind in Köln, gequältes Lächeln auf den Rängen, aber dumm so manches Mal auf jeden Fall. Ich bekomme nicht mehr einzeln die Platzierungen zusammen, aber »Sometimes« liegt irgendwo in den 20-ern, Yazoos »Don't Go« in etwa auch sowie Depeche Modes »Enjoy the silence« zwischen 20 und 10.

Live treten noch Marian Gold (Alphaville mit der neuen Single »Song For No One [But Myself]«), Space (Didier Marouani) mit »Magic Fly« (ein leicht trashiger Auftritt im 70er-Stil: Glitzer-Leuchtjacke, Keytar und eine Astronautenpuppe), Polarkreis 18 mit »Allein allein« (die als einzige live singen) und Human League mit dem Titel »Egomaniac« auf. Das alles wird durch eine effektvolle Lightshow mit Lasern unterstützt. Leider haben OMD abgesagt, doch auch das ist zu verschmerzen. Den größten Hype aber machen Roxette, die gefühlt die zehnfache Fan-Unterstützung im Studio haben. Sie spielen unter viel Gejubel die aktuelle Single »She's Got Nothing On (But The Radio)« und als geforderte Zugabe »She’s Got The Look«. Was allerdings Roxette bei einer Sendung über Synthiepop zu suchen hat, erschließt sich leider nicht nur mir nicht richtig…

Ohnehin fühlt es sich für mich eher so an, als sei die Listung von fünfzig befragten LKW-Fahrern auf der Raststätte Dammerberge zusammengecastet worden. Das erklärt so merkwürdige Platzierungen, Musiker und Titel, die ca. 30% eher nicht reinen Synthiepop ausmachen. Aber egal, Marco deutet an, wir sollen klatschen. Der Kamerakran saust über die Köpfe hinweg und innerlich frage ich mich, ob ich dann auch mal zu sehen sein werde. Scheint aber bei den Plätzen eher nicht der Fall zu sein. Der Roxette-Fan mit Doktorhut auf der Rübe macht für die Kamera mehr her als ein dicker großer Mann mit Jarre-T-Shirt. Na, mal sehen.

Ein letzter hastiger Handy-Blick ins StudioNach vielen belanglosen Sätzen und Spielchen der Promis auf dem Sofa neigt sich die Aufzeichnung dem Ende entgegen. Oliver Geißen murmelt noch eine Handvoll Werbe­break-Sätze in die Kamera (»Anrufen, die Fragen sind bei RTL ja immer übersichtlich gestaltet«) und ich weiß in etwa schon, wie diese Preisfrage ausfallen wird: »Wie heißt eine erfolgreiche deutsche Synthiepop-Band? A: Alphaville, B: Omegadorf«. Zum Finale strömen alle Gäste noch mal zum Glitzerregen auf die Bühne – nur Jean Michel fehlt… Danach darf das Klatschvieh nach drei­einhalb Stunden nach Hause gehen. Mein Handy erheischt einen verstohlenen Blick ins sich leerende Studio. Mir tun die Hände weh und ich habe Durst.

Philip Oakey signiert »Secrets«-CDsNachdem wir schnell an der Garderobe alles wieder einge­sammelt haben, stehen Jens und Jens draußen und warten, ob sich noch jemand zeigen wird. Tatsächlich kommen Human League noch mal zu den Fans und Phil, Joanne und Susan signieren uns die Cover der genialen »Secrets«-CD. Während Susan das wegen der Kälte eher noch wider­willig tut, ist Phil nett und plauder­freudig (er hat ja auch ’ne Mütze auf…). Didier Marouani (Space) signiert, als ginge es um sein Leben – wahrscheinlich war er froh, noch so viel Fan-Aufmerk­samkeit zu bekommen. Danach ist es vorbei, wir treffen uns alle noch mal kurz und dann geht es auf die Heimreise.

Fans von jarrelook.deDass der Jarre-Fanclub Jean Michel schon beim Soundcheck in der Halle kurz getroffen hat, ist zwar für mich bitter, aber nicht zu ändern (zeitgleich hatte ich ja die Andrea-Erscheinung). Es werden sich auch noch andere Gelegenheiten finden. Auf der Heimfahrt nach Hannover freue ich mich immer noch wie Bolle, dass Andrea Sawatzki so nah zu sehen war. Ich fühlte mich wie die Laien-Schau­spieler bei Bullys »Wickie«-Film-Casting, auch da haben die meisten (als Andrea geheim zur gemeinsamen Probe eingeladen wurde) nur mit offenem Mund vor dieser Wahnsinnsfrau gestanden…

Jens und Jens vor dem Studio 8War schön, hat sich gelohnt. Jetzt müssen wir nur noch am 4. März das Ergebnis auf RTL bewundern. Das wird alles fein säuberlich zusammen­geschnitten und dann werden wir Jarre-Fans wohl doch noch in irgendeiner Form zu sehen oder zu hören sein. Hoffentlich… Den Trailer und den Film gibt es dann später auch hier zu sehen, also schauen Sie öfters rein. Ich freue mich auch über Kommentare.

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